Kunst- und Kulturzentrum ALTES E-WERK Blankenburg (Harz)

Mittwoch, 08 September 2010
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Geschichte des alten E-Werks Blankenburg Drucken E-Mail

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Paris – New York – Berlin – Blankenburg

So lautet die Reihenfolge der Elektrifizieung der Straßen- beleuchtung, denn bereits 1883 wurde der Blankenburger Bahnhof elektrisch beleuchtet und 1891 erhielt die Stadt Blankenburg ihr erstes Licht vom ALTEN E-WERK
 

Als Blankenburg "Helle" wurde – Da blättert man sich in großen Lexika die Finger wund, um etwas über die Geschichte der elektrischen Straßenbeleuchtung von Blankenburg zu erfahren - Fehlanzeige. Paris wird dort genannt, wo bereits 1877 einzelne Straßen mit den ersten brauchbaren elektrischen Bogenlampen ausgestattet wurden. Natürlich findet auch Thomas Alva Edison Erwähnung, der 1879 die Kohlefadenglühlampe entwickelte und 1881 in New York das erste öffentliche Elektrizitätswerk einrichtete. Und über Berlin ist zu erfahren, dass dort 1882 begonnen wurde, die Straßenbeleuchtung schrittweise zu elektrifizieren. Nur Blankenburg erwähnt keiner, gehört diese Stadt doch mit dem hier 1883 unternommenen Probeversuch zur elektrischen Beleuchtung des Bahnhofs unbedingt in die Reihe der genannten Weltstädte.

Im Stadtarchiv gefunden
 
Wie auch immer - im Archiv der Stadt Blankenburg fanden wir jedenfalls eine Reihe alter Zeitungsartikel, die die Pionierleistungen der einstigen Stadtväter in Sachen Elektrizität und Straßenbeleuchtung zweifelsfrei belegen. Nachstehend einige elektrotechnisch, historisch und sprachlich interessante Kost- proben aus dem diesbezüglichen Fundus des Stadtarchivs.
 
Zeitungsmeldung vom 23. Dezember 1933:
 
50 Jahre elektrische Beleuchtung
Blankenburg gehört zu denjenigen Städten, die von der altväterlichen Petroleum-Laternenbeleuchtung mit Überspringung der Gasbeleuchtung unmittelbar zur elektrischen Beleuchtung übergegangen sind. Bereits vor 50 Jahren, am 20. Dezember 1883, wurde ein Versuch gemacht mit der probeweisen elektrischen Beleuchtung des Bahnhofs durch Benutzung der Dampfkraft von der Schneidemühle F. Arnecke aus, nachdem zuerst in Paris 1877 versuchsweise und Berlin 1882 definitiv elektrische Straßenbeleuchtung eingeführt war. Im Jahre 1877 wurden dann in Blankenburg Monsterbrenner-Laternen eingeführt. Aber der Siegeszug des elektrischen Lichts war nicht mehr aufzuhalten, und so schloß der neue Bürgermeister Huisken am 14. September 1890 mit der Berliner Firma Gebr. Naglo einen Vertrag zum Bau der elektrischen Maschinenanlage des Elektrizitätswerks in der Tränkestraße 9 ab, und im folgenden Jahr strahlte Blankenburg in elektrischem Licht. Die elektrische Stromversorgung wurde dann am 10. bis 18. Oktober 1921 durch einen 25 Jahre gültigen Vertrag (1921 bis 1946) von Bürgermeister Zerbst der Gasgesellschaft (jawohl: Gas!) Dessau übertragen und das eigene Blankenburger Elektrizitätswerk stillgelegt. Im Jahre 1923 trat diese neue Stromversorgung durch die Überlandzentrale in Tätigkeit.
 
Zeitungsmeldung über die Ratsherrensitzung am 27. Mai 1938 (Auszug)
 
Die Preise für elektrischen Strom werden gesenkt
Im Punkt "Verschiedenes" behandelte der Bürgermeister zunächst eine Angelegenheit, die sicher von den Hausfrauen unserer Stadt als besonders angenehm empfunden werden wird. Die Preise für elektrischen Strom werden gesenkt werden. Durch die Tatsache, daß die Stromabnahme der Stadt Blankenburg um 75 Prozent gesteigert werden konnte, konnte mit der Continental-AG, die die Stadt mit Strom beliefert, der alte bis zum Jahre 1951 gültige Liefervertrag gelöst und ein neuer bis zum Jahre 1986 gültiger geschlossen werden, der es der Stadt ermöglicht, die Strompreise zu senken. Die Preise für Lichtstrom verbilligen sich ab Monat Mai von 50 Pfg. auf 45 Pfg., ohne Erhöhung der Grundgebühr. Darüber hinaus sind noch Prüfungen im Gange, die ebenfalls eine Verbilligung zur Folge haben werden.
 
Nach einer kurzen Schilderung über den Bericht eines Stadtrates mit Namen Bock zum vorgesehenen Umbau des städtischen Krankenhauses heißt es weiter:
 
...Bürgermeister Kämpfert schloß die Sitzung, die für das Leben unserer Stadt vielerlei Neues und Erfreuliches brachte... Der öffentlichen Beratung schloß sich noch eine vertrauliche Sitzung an.
 
Zeitungsartikel vom 19. Mai 1941 (Auszug)
 
Als Blankenburg " helle" wurde - unsere Stadt hat als eine der ersten die elektrische Straßenbeleuchtung eingeführt.
In unserer Ausgabe vom 15. Mai berichteten wir von Deutschlands " hellsten" Stadt und meldeten, daß die Stadt Traben - Trarbach an der Mosel vor 50 Jahren als eine der ersten Gemeinden die elektrische Beleuchtung einführte, unser Blankenburg aber kann dieses Jubiläum ebenfalls feiern. Der Direktor der Stadtwerke, Th. Geraths, hat die Freundlichkeit, uns darüber folgende Zeiten zur Verfügung zu stellen:
Daß Sie die Stadt Traben- Trarbach als Deutschlands hellste Stadt hinstellen, ist sehr nett von Ihnen und sogar eine Pulle alten Traben-Trarbach wert, aber ebenso nett finde ich es, dass die alten Blankenburger ebenso "helle" wenn nicht schon früher noch heller waren. Zum Beweis diene:
Zur Zeit des Herzogs Ludwig Rudolf 1723 bekam Blankenburg die erste Laternen- Beleuchtung. Für die Unterhaltung wurden "Leuchtenwärter" eingestellt, die nach einer besonderen Eidesformel verpflichtet wurden. Solcher Eid liegt noch vor vom 7. Dezember 1741 mit folgendem Wortlaut:
"Ich gelobe und schwöre einen Eid zu Gott und auf sein heiliges Wort, daß nachdem ich zum Leuchtenwärter allhier aufgenommen worden, ich solche Leuchten zur rechten und mir anbefohlenen Zeit anstecken und dieselben tüchtig warten, wenigstens des abends zweimal stören, den Oel, so ich dazu bekomme, richtig draufgebe, auch von demselben sowenig als von der Baumwolle das geringste entwenden, vielmehr mich, wenn solches wider hoffen geschehen sollte, einer willkürlichen Strafe und anderweitigen Besetzung des Leuchtenwärterdienstes unterwerfen will, gestalt ich mich denn bei diesem Leuchtwärterdienst' ehr und redlich aufzuführen verspreche, alles getreulich und sonder Gefährte, so wahr mir Gott helfe und sein heiliges Wort."
 
Nach weiteren tiefschürfenden Ausführungen zur Stadtbeleuchtung von Anno Tobak beschreibt Stadtwerke- Direktor Geraths die Entstehung der elektrischen Straßenbeleuchtung in Blankenburg wie folgt:
...Im Herbst 1866 hatte Siemens die Dynamo- Maschine erfunden. 1881 wurde in der Pearlstreet in Neuyork ein Elektrizitätswerk mit 6 Stück 125 PS. Edison- Maschinen gebaut, im Mai 1882 wurde in Berlin erstmalig die Leipziger Straße und im September die Kochstraße elektrisch beleuchtet. 1885 baute Berlin das erste Elektrizitätswerk mit 6 Dampfmaschinen von je 150 PS. Die Hauptblütezeit für das Aufkommen der ersten Elektrizitätswerke fällt in die Jahre von 1890 bis 1900. In diesen Jahren wurden etwa 76 Städte von mehr als 30000 Einwohnern mit Elektrizitätswerken ausgestattet. Aber die Stadt Blankenburg mit einer damaligen Einwohnerzahl von rund 6000 beschloß am 2. August 1880 unter Leitung des damaligen Bürgermeisters Bodemann, daß ein Elektrizitätswerk errichtet werden sollte. Mit den Vorarbeiten wurde begonnen, so daß bereits am 19. Juli 1890 die ersten Angebote eintrafen. Am 7. Januar 1892 beantragte die bauausführende Firma beim Magistrat die Abnahme der errichteten Anlage, die dann auch am 25. und 26. Januar und am 9. und 10. Februar 1892 stattfand. Das hiesige Elektrizitätswerk ist somit ab Jahresabschluß 1891 in Betrieb.
 
Also hat unsere Stadt Blankenburg nachweislich eine der ältesten Straßenbeleuchtungsanlagen und unser Elektrizitätswerk begeht in diesem Jahr ebenfalls das 50jährige Jubiläum.
 
Freilich erinnert die heutige Blankenburger Straßenbeleuchtung mit ihren ca. 2500 modernen Brennstellen mit Quecksilber- bzw. Natriumhochdrucklampen kaum noch an die diesbezüglichen Pionierleistungen unserer Vorfahren. Und vom einstigen Elektrizitätswerk in der Tränkestraße sind auch nur noch historische Fotos und die bauliche Hülle übrig geblieben. Aber trotzdem hat man in Blankenburg die alte Straßenbeleuchtungszeit nicht ganz vergessen. Davon künden die in den letzten Jahren neu installierten, stadtbildbelebenden Straßenlampen in der Marktstraße, Harzstraße, Lange Straße, Tränkestraße und schließlich in der Kurörtlichen Achse, die von der Innenstadt bis zum Thiepark ebenfalls mit nostalgisch anmutenden Leuchten ausgestattet wurde. Blankenburg hat also nicht nur eine der ältesten Straßenbeleuchtungsanlagen, sondern auch eine der modernsten und streckenweise schönsten.
 
 
Chronik
 
1723
Zu Zeiten Herzogs Ludwig Rudolf bekam Blankenburg die erste Laternenbeleuchtung.
Für die Unterhaltung wurden "Leuchtenwärter" eingestellt¹.

21. Aug. 1812
Der Unterpräfekt des Distrikts Saale-Department bestimmte, dass 40 Stück auf dem Schlosse befindliche Laternen der Stadt für Beleuchtungszwecke übergeben werden mussten. Diese für die damalige feenhafte Beleuchtung setzte sich trotz aller Angriffe durch².

1866
Siemens erfand die Dynamo-Maschine.

1877
Monsterbrenner-Laternen in Blankenburg eingeführt.
Erste brauchbare elektrische Bogenlampen in Paris.

1879
Thomas Alva Edison entwickelte die Kohlefadenglühlampe.

1880
Der Bau des E-Werks Blankenburg wurde beschlossen¹.

1880 - 1890
Rückgriff auf das Mühlenwesen, insbesondere Obermühle, zur Beleuchtung der Straßen und Haushaltungen (Großes Schloss, Teile der Altstadt mit ihren Straßen mittels einer Turbine und Lichtmaschine)³.

1881
Edison stellt die erste brauchbare Glühlampe vor.
In New York wird das erste öffentliche Elektrizitätswerk (Gleichstromerzeuger) eingerichtet und ein unterirdisches Leitungsnetz verlegt.

1882
In New York ging das erste Elektrizitätswerk der Welt ans Netz und in Berlin wurde begonnen, die Straßenbeleuchtung schrittweise zu elektrifizieren.

20. Dez. 1883
Versuch zur probeweisen elektrischen Beleuchtung des Bahnhofs durch eine Dampfmaschine der Schneidemühle,
F. Arnecke [Verlängerung des Landgrabenweges möglich]³.

8. Mai 1884
In Berlin ging das erste Elektrizitätswerk Europas ans Netz.

1884
Beleuchtung des Bahnhofes und Sonderzug aus Halberstadt
Albert Schneider regt konkrete Schritte zur Einführung der elektrischen Beleuchtung in Blankenburg an³.

1890 - 1900
Hauptblütezeit für das Aufkommen der ersten Elektrizitätswerke, etwa 76 Städte mit Elektrizitätswerken ausgestattet.

1890
Vorarbeiten zum Bau des neuen E-Werks und Vertrag mit der Fa. Naglo für Anlage Maschinen-Anlage Tränkestr. 9 mit der Stadt Blankenburg (Bürgermeister Huisken)³ (Firma Gebr. Naglo Berlin, 1874 gegründet, Mitinhaber Emil Naglo, ab 1897 in Besitz der Nürnberger Firma Schuckert [1879 Eintrag ins Handelsregister], die 1903 mit Siemens & Halske Berlin zu Siemens-Schuckert-Werke [heute Siemens AG] wurde.)

1891
Erstes Licht vom neuen E-Werk für die Stadt Blankenburg³.

1896 - 1912
Museum (Städtisches Museum) im Akku-Raum³.

1914
Planung einer Maschinenanlage für elektrischen Strom für das Große Schloss mit einer Kapazität von 900 bis 1.000 Kerzen. Besitzer: Schlossherr Herzog Ernst-August von Braunschweig-Lüneburg³.

20er Jahre
Weltwirtschaftskrise: Die Bevölkerung setzt auf Petroleum.

1925 - 1926
Das Herzoghaus entschließt sich, auf eigene Rechnung für elektrischen Strom zu sorgen³.

1933
50 Jahre elektrische Beleuchtung

1933/34
Werbung für Elektro-Energie als Wiedereinstieg in sich langsam verbessernde Zustände der Wirtschaft und der Bevölkerung.

40er/50er Jahre
Krieg und Nachkriegszeit wieder Stromsperren wie gehabt³.

¹Dipl.-Ing. (FH) Klaus Jennrich, Stadtwerke JOURNAL 1/2001, Kundenmagazin Stadtwerke Blankenburg GmbH, Körner Magazinverlag GmbH Sindelfing
²Hans-Joachim Caspar: "Als Blankenburg 'helle' wurde" Harzklub-Zweigverein Blankenburg e. V., Veranstaltungsprogramm 2. Halbjahr 1999 (17. Ausgabe)
³Alfred Kohlbaum, Blankenburg (Harz)